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„Musik wird störend oft empfunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden“, hat Wilhelm Busch gedichtet. Doch was es bedeutet, wenn man diesen Scherz ernst nimmt, weiß die Musikwelt seit dem 19. August 1952. Damals setzte sich der Pianist David Tudor in Harvard an ein Klavier und tat 273 Sekunden lang: nichts.

John Cage 4’33“, ein Stück in drei Sätzen mit je einem Pausenzeichen in den Noten, versteht den Klang der Stille als Kunst und lässt ihn zu. Das Werk entsteht aus zufälligen Umgebungsgeräuschen, die das Publikum während der Aufführung hört.

Jeder kann mit 4 Minuten und 33 Sekunden zum Künstler werden: Einfach nichts sagen. Nichts tun. Nur sein. Der Rest findet sich. Klingt gut, oder?

nach Joachim Mischke